Eigentlich sind Maulwürfe ja nicht gerade für ihre Höhenflüge bekannt. Unser PAM schon.
Unsere Kinderbibelrüstzeit stand dieses Jahr unter dem Motto „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“. Nach dem Besuch im frisch renovierten Planetarium in Jena war schnell klar: Es wäre doch schade, wenn wir nur über das Weltall reden würden. Also schickten wir kurzerhand unseren 3D-gedruckten Maulwurf PAM selbst auf Reise – mit Wetterballon, Raumanzug, kleiner Flagge und einer Botschaft der Kinder.
Die Idee war übrigens gar nicht neu. Bereits 2023 wurde in Hohenselchow ein Wetterballon gestartet. Damals zeichnete leider nur eine Kamera auf, das Video findet man sogar noch auf YouTube. Dieses Mal wollten wir es größer machen: mehr Kameras, mehr Technik und natürlich mit PAM.
Nach dem Besuch des Planetariums besorgten wir noch Helium und am Abend durften die Teilnehmenden überlegen, welche Nachricht PAM mit auf seine Reise nehmen sollte. Nach erstaunlich vielen Diskussionen fiel die Wahl auf einen wunderbar schlichten Satz:
„PS: Bitte nicht die Erde zerstören.“
Während die Kinder schliefen, begann für Lars der Bastelmarathon. Ballon, Fallschirm, Kameras, Messinstrumente, GPS-Tracker und natürlich PAM mussten sicher befestigt werden. Am nächsten Morgen blieb dann nur noch die Hoffnung auf stabiles Wetter.
Ganz ehrlich: Ein bisschen nervös waren wir schon. Der Wind war stärker als gedacht. Trotzdem entschieden wir uns für den Start. Und dann ging alles ziemlich schnell. PAM hob ab. Mit Raumanzug. Mit Flagge. Mit unserer Botschaft.
Unser kleiner Maulwurf, der sonst auf jeder Rüstzeit eher im Hintergrund unterwegs ist, durfte endlich einmal im Mittelpunkt stehen. Während des gesamten Fluges war er auf einer der Kameras zu sehen – als würde er ganz selbstverständlich Richtung Weltall reisen. Ich finde, er hat seinen Job ziemlich gut gemacht.
Ganz perfekt lief der Start trotzdem nicht. Die Startschnur hatte sich verhakt und blieb am Ballon hängen. In dem Moment haben wir uns natürlich geärgert. Was wir noch nicht wussten: Genau diese kleine Panne würde sich später als echtes Geschenk herausstellen.
Dann begann das Warten auf das GPS-Signal. Als endlich eine Position kam, machten wir uns auf den Weg. Leider zeigte sie mitten in einen Wald. Also fuhren wir los. Die Teilnehmenden wollten natürlich im Minutentakt wissen, wo PAM gerade ist. Je näher wir kamen, desto größer wurde die Vorfreude. Dann verschwand das Signal. Einfach weg.
Der GPS-Tracker hatte schon beim Start seine Eigenheiten gezeigt. Nun standen wir mitten im Wald und konnten nur noch raten. Also liefen wir los. Irgendwo zwischen Bäumen, Brombeeren und Wegen, die eigentlich keine waren.
Nach einiger Zeit entschieden wir, die Teilnehmenden zusammen mit einem Teil der Leitung lieber ins Freibad zu schicken. Die Temperaturen waren hoch, das Gelände wurde immer unwegsamer und niemand wusste, wie lange die Suche noch dauern würde. Also blieb nur noch ein kleiner Suchtrupp zurück.
Neuer Weg. Wenig Wasser. Viel Gottvertrauen.
Und immer wieder diese kurzen Stoßgebete, dass PAM bitte nicht ausgerechnet in der höchsten Baumkrone der Umgebung hängen möge. Irgendwann wurden selbst wir skeptisch. Zwischen all den Bäumen hätte der Ballon überall landen können. Vielleicht würden wir ihn gar nicht mehr finden.
Bis plötzlich jemand rief.
Ein roter Fallschirm. Ein paar Meter weiter die Box. Und direkt daneben: PAM.
Die Jubelschreie des Suchtrupps sind auf der Rohaufnahme deutlich zu hören. Im Nachhinein vielleicht ein kleines bisschen peinlich – in dem Moment aber einfach pure Erleichterung. Als wir schließlich genauer hinschauten, wurde uns erst klar, wie viel Glück – oder vielleicht besser: wie viel Segen – wir eigentlich gehabt hatten. PAM hing so weit oben im Baum, dass wir ihn ohne die verhakte Startschnur vermutlich gar nicht hätten herunterbekommen. Ausgerechnet die Schnur, über die wir uns beim Start noch geärgert hatten, wurde am Ende unsere Rettung. Manchmal versteht man erst im Nachhinein, warum nicht alles nach Plan läuft. Für uns war das einer dieser Momente, in denen wir einfach dankbar waren und gemerkt haben: Gott hat auf uns aufgepasst. Der Rückweg konnte unsere Stimmung jedenfalls nicht mehr verderben.
Als wir endlich wieder Handyempfang hatten und den anderen Bescheid geben konnten, war die Erleichterung mindestens genauso groß wie unsere Freude. Noch am selben Abend sichteten wir das gesamte Material. Bereits am nächsten Tag entstand daraus ein erster Kurzfilm, den wir den Teilnehmenden zeigen konnten. Zu sehen sind unter anderem der Flug bis in rund 36 Kilometer Höhe, das Platzen des Ballons, die Landung im Baum, die Suchaktion im Wald – und natürlich PAM, der während seiner ganzen Reise stoisch mit Raumanzug, Flagge und Botschaft in die Kamera blickt, als hätte er nie etwas anderes gemacht.
Manchmal entstehen die schönsten Erinnerungen aus einer Idee, bei der man am Anfang selbst nicht weiß, ob sie überhaupt funktionieren wird. Dieses Mal hat sie funktioniert. Deshalb können wir euch den Film nur ans Herz legen. Er zeigt nicht nur beeindruckende Aufnahmen aus der Stratosphäre, sondern erzählt auch die Geschichte dahinter: von einer verrückten Idee, viel Teamarbeit, kleinen Pannen, großem Gottvertrauen und einem Maulwurf, der für einen Tag den Himmel erobert hat. Also schaut unbedingt rein – es lohnt sich.
Text: Johanna Zibell
